Nachruf
Gelsenkirchen-Buer, 12.09.2008, Sebastian Konopka
Chris Witchhunter, Ur-Schlagzeuger der buerschen Thrash-Legende Sodom ist am vergangenen Montag verstorben. Er erlag nach Bandangaben nach langer Erkrakung in den frühen Morgenstunden einem Organversagen.
Chris Witchhunter formierte mit Tom Angelripper und Gitarrist Aggressor 1982 die buersche Kult-Band Sodom. Trotz oder gerade wegen seines zwar reichlich rumpelnden aber für die damalige Zeit ausgesprochen schnellen Schlagzeugspiels konnten Witchhunter und Co. schon mit den beiden Demos „Witching Metal” und „Victims Of Death” in Underground-Kreisen für mächtig Furore sorgen.
Es folgten die EP „In The Sign Of Evil” und das Debüt-Album „Obsessed By Cruelty”, welche auch heute noch gerade in der Black-Metal-Szene hohes Ansehen genießen.
Mit dem Einstieg von Gitarrist Frank Blackfire wurde nicht nur das wohl bekannteste Sodom-Line-Up vervollständigt. Auch musikalisch konnte man mit der EP „Expursure Of Sodomy” und dem Album „Persecution Mania” einen gewaltigen Schritt nach vorne machen. Endgültig zu Weltruhm gelangte das knüppelnde Trio mit dem Klassiker „Agent Orange”, das als erstes Album einer deutschen Thrash-Band 1989 in die Media Control Charts einstieg – auf einem nicht nur damals sagenhaften 36. Platz.Es folgten weitere Umbesetzungen an der Gitarre, das Duo Angelripper/Witchhunter bildete aber weiterhin das konstante Rückrad der Band. Das sollte sich erst nach der Veröffentlichung der „Tapping The Vein”-Scheibe und der zugehörigen Tour 1992 ändern. Nach der Gastspielreise rund um den Globus wurde Witchhunter „gegangen”, ein Einschnitt, den der Drummer auch lange Jahre danach nicht verwunden hat, wie eindrucksvoll auf der History-DVD „Lords Of Depravity” zu sehen ist. Zitat Witchhunter an besagter Stelle: „Du weißt genau Tom, Du hast mich damals rausgeschmissen und jetzt mach' die scheiß Kamera aus.”
Obwohl mehrfach Gerüchte die Runde machten, der Schlagwerker würde sein eigenes Projekt „Witchhunter” an den Start bringen, blieb es nach dem Sodom-Rausschmiss musikalisch ruhig um den Taktgeber. Erst 2007 machte man wieder von sich hören, als die damalige Besetzung mit Tom Angelripper, Chris Witchhunter und Grave Violator die erste EP neu einspielte und unter dem Banner „The Final Sign Of Evil” auf Album-Stärke aufmotzte. Dennoch nahm Chris Witchhunter nicht bei der Jubiläumsshow beim Wacken Open Air mit etlichen Gastmusikern teil.Dass der Drummer trotzdem nicht in Vergessenheit geraten ist, zeigt das Kondolenzbuch auf der Bandhomepage unter
www.sodomized.info . Binnen weniger Stunden nach Einrichtung des Buches konnten schon über hundert Einträge verzeichnet werden, bis gestern Nachmittag waren es schon fast 1000. Aus aller Welt bekunden Fans ihr Beileid und den Stellenwert, den Chris und seine Musik hatten. So schreibt ein User: „Eine wirkliche Metal-Legende ist von uns gegangen.”
Rest in Peace, Chris!