Gelsenkirchen-Buer. Die Gelsenkirchener Thrash-Metaller Sodom haben mit Roberto Blanco einen Spot für die Alzheimer Gesellschaft produziert. Der Schlagerstar sorgte beim Dreh für Überraschung unter den eher langhaarigen Metal-Fans. Ein bisschen Metal muss halt sein.
Roberto Blanco ist verwirrt. In der Garderobe wird ungefragt eine Dose Bier aufgerissen, auf dem Weg zur Bühne begleiten ihn zwei tätowierte Kleiderschränke. Ganz Profi, lässt sich der Schlagerstar aber nichts anmerken und stürmt mit einem breiten Grinsen und „Ein bisschen Spaß muss sein“ ins Rampenlicht.
Die vorher lautstarken Jubelrufe des Publikums verstummen, die langhaarigen Metal-Fans starren ungläubig in Richtung Bühne, auf der die Gelsenkirchener Thrash-Metaller von Sodom gerade eigentlich die Sau raus lassen. Aus dem Off erklingt eine Stimme. „Den Ort verwechselt? Für 1,2 Millionen Menschen in Deutschland ist das Alltag. Sie leiden unter Demenz.“
Werbeclip für die Alzheimer Gesellschaft
Soweit der
Werbeclip, den der Schlagerstar und die Metal-Formation für die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DalzG) gedreht haben. Eine ganz spontane Sache, wie Thomas Such alias Tom Angelripper, seines Zeichens Frontmann von Sodom, zu Protokoll gibt: „Eigentlich wurde zunächst eine andere Metal-Band angefragt, deren Namen ich allerdings vergessen habe. Die haben uns allerdings ins Spiel gebracht. Und wir machen ja alles mit, besonders, wenn es um einen guten Zweck geht.“
Allerdings waren Sodom zu dem Zeitpunkt gerade auf Europatournee, um ihr aktuelles Album „In War And Pieces“ zu promoten. Also wurden ein paar mp3s hin und her geschickt, damit sich die Band, zu der neben Angelripper auch noch Gitarrist Bernd „Bernemann“ Kost und Drummer Markus „Makka“ Freiwald gehören, den Stimmungshit „draufschaffen“ konnte. Denn zum großen Finale des Spots spielten
Sodom und Blanco unisono „Ein bisschen Spaß muss sein“ - vor begeistertem Metal-Publikum.
"Es hätte auch ins Auge gehen können"
Bedenken ob des ungewöhnlichen Crossovers hatten Such und seine Kollegen kaum. Allerdings: „Es hätte auch ins Augen gehen können“, sagt der Frontmann. „Ein paar Sorgen hatte ich schon, dass die Fans ihn ausbuhen oder mit Bier bewerfen könnten.“ Denn schließlich fand der Dreh bei einem ganz regulären Tour-Konzert der Schwermetaller in Ludwigsburg statt.
Der Umgang mit dem Kollegen aus der Schlagerbranche gestaltete sich dagegen gänzlich unproblematisch. „Ich habe ihn anfangs gefragt: Herr Blanco, soll ich Sie siezen? Da hieß es nur: Nix da. Wir Musiker sagen untereinander Du.“
Sich für die gute Sache zu engagieren, ist beiden Künstlern eine Herzensangelegenheit. Blanco: „Über Alzheimer wird viel zu wenig öffentlich diskutiert, dabei sollte sich jeder damit auseinandersetzen. Ich habe selbst Freunde an diese Krankheit verloren und finde es sehr wichtig, auf das Thema aufmerksam zu machen.“
Schlagerveteran hatte sichtlich Spaß
Und wie einige Handyfilmchen im Internet eindrucksvoll belegen, hatte auch der Schlagerveteran sichtlich Spaß vor fremdem Publikum. Die „Pommesgabel“, das Handzeichen der Metal-Fans, hat der Barde direkt drauf. Und kaum ist der letzte Ton verhallt, schallen lautstarke „Zugabe“-Rufe durch die Halle. „Roberto kam zwar noch mal zurück, aber leider hatten wir nicht noch mehr Songs von ihm drauf“, blickt Such zurück.
Eine weitere Zusammenarbeit schließt der Sodom-Sänger nicht aus. Tom Angelripper: „Wir haben unsere Telefonnummern ausgetauscht, und ich hatte den Eindruck, dass Roberto unsere Musik auch gut fand. Vielleicht wird ja was draus.“