Wino hatte sich wieder auf sein Bett gelegt. Der Elb war erstaunt über das starke hasserfüllte Bewusstsein, das diese Pflanzen lenkte. Er konnte die Natur nicht erreichen. Er sah keine Chance, auch nur Teile, der Pflanzen unter seine Kontrolle zu bringen. Der Noldo verschloss seinen Geist gegenüber der sie gefangen haltenden Gewächse. Seine Gedanken schweiften ab:
„Ich hatte den Thronraum gerade durchquert, als meine Freunde bereits wieder ins Karussell stiegen. Die Macht, die hier überall herrschte, kam der meines Volkes sehr nahe. Die Menschen bezeichnen sie als Magie. Doch es ist nichts weiter als ein Leben im Einklang mit der Natur, die bereit ist, dir zu helfen, wenn du sie darum bittest. Der Wilde König muss eine starke Verbindung mit diesem Ort haben.
Die drehbare Plattform, das Karussell, im Eingangsraum öffnete uns den Weg in einen weiteren holzgetäfelten Gang, der nach ein paar Metern vor einer von der Zeit angegriffenen Holztür endete. Dahinter lag ein niedriger Raum, dessen Wände mit Holz verkleidet waren. In der Mitte der Bodenbohlen war ein zwei Meter großes Quadrat ausgeschnitten, das den Blick auf den Steinboden freigab. Keine weitere Tür führte aus dem eigenartigen Zimmer heraus.
Eine grobe Untersuchung ergab zunächst nichts. Der Raum schien eine Sackgasse zu sein. Als Tarthalion auf den Steinboden in der Mitte trat, zerbröckelte der Fels. Hastig wurde der Stein zerschlagen und abgetragen. Darunter befand sich eine Holzplatte. Als wir sie hoch hoben, blickten wir in ein Grab.
Darin lagen die verwesten Überreste eines Menschen, der einmal in eine weiße Robe gekleidet war. Tiegel und Töpfe enthielten wahrscheinlich Grabbeigaben. Das Skelett trug an Handgelenken, Fingern und Hals etwas Schmuck. Ich konnte von hier oben nicht erkennen, woran der Mensch einst gestorben war.
Ich ließ mich vorsichtig zu den Füßen in das Grab hinab. Eine erste grobe Untersuchung zeigte keine gebrochenen Knochen. Als ich begann das Skelett näher zu untersuchen, spürte ich ein Knacken unter meinen Füßen. Dann brach auch schon der Boden unter mir weg. Nur der schnelle Griff an ein schmales Sims, rettete mich vor dem Fall. Ein Blick hinunter ließ mich erschauern. Spitze Pfähle sollten den grausamen Tod eines jeden Grabräubers garantieren. „Nimm meine Hand“ hörte ich Menelcars Stimme rufen. Ich schaute hoch, löste mit der Rechten meinen Griff und packte seine Hand. Kurze Zeit darauf stand ich am Rand der tödlichen Falle.
Inzwischen hatte Broca eine Geheimtür gefunden. Allerdings verbarg sich dahinter nur eine kleine Mulde im Stein. Sibroc fand darin eine Inschrift, geschrieben in einer altertümlichen Form des Quenya:
Ich stehe morgen auf,
dank der Stärke der Eiche,
der Biegsamkeit der Weide,
der Beständigkeit der Linde,
der Fruchtbarkeit des Apfelbaums,
in den goldenen Strahlen der Sonne,
im silbernen Licht des Mondes,
im roten Schein des Feuers.
Während ich noch über die Worte nachdachte, drang plötzlich ein schabendes kratzendes Geräusch an meine Ohren. Die Felswand hinter der Geheimtür schob sich langsam in einen Geheimgang. Broca hatte sich gegen den Fels gelehnt und so den Stein ins Rollen gebracht.
Kalidor ging als Erster, Borgin folgte. Dann schlossen wir uns alle an.“
Wino schlug die Augen auf. Er hatte versucht sich langsam über die Pflanzen in das Bewusstsein Ulyavannas vor zu tasten. Für einen kurzen Augenblick war es ihm tatsächlich gelungen. Der Elb stand auf. Er wußte jetzt, es gab einen Weg hier heraus. Sie mussten ihn nur finden. Der Noldo sagte es seinen Gefährten.